Der Cannamedical Cannabisextrakt THC10:CBD10 ist ein standardisierter medizinischer Cannabisextrakt, der in Deutschland ausschließlich auf ärztliche Verschreibung erhältlich ist. Mit einem ausgewogenen Verhältnis von Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) – jeweils 10 mg pro ml – zählt er zu den sogenannten balancierten Extrakten, die in der modernen Cannabistherapie eine besondere Rolle spielen. Dieser Ratgeber informiert sachlich über das Produkt und richtet sich an Patienten, die von ihrem Arzt bereits auf dieses Präparat hingewiesen wurden oder sich im Vorfeld informieren möchten.
Was ist der Cannamedical Cannabisextrakt THC10:CBD10?
Bei dem Produkt handelt es sich um einen Vollspektrum-Cannabisextrakt auf öliger Basis, der aus pharmazeutisch kontrolliert angebautem Cannabis gewonnen wird. Der Extrakt enthält standardisiert jeweils 10 mg/ml THC und 10 mg/ml CBD, was einem 1:1-Verhältnis beider Hauptcannabinoid entspricht. Durch die gleichmäßige Zusammensetzung ist eine reproduzierbare Dosierung möglich, was in der ärztlich begleiteten Therapie von zentraler Bedeutung ist.
Neben den Hauptcannabinoidenwirkstoffen enthält ein Vollspektrum-Extrakt in der Regel auch weitere Pflanzenstoffe wie Terpene und Flavonoide, die gemeinsam den sogenannten Entourage-Effekt bedingen können. Diese Wechselwirkungen sind Gegenstand aktueller wissenschaftlicher Forschung.
Cannabisextrakte wie das Cannamedical THC10:CBD10 unterliegen dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) und dürfen nur auf einem speziellen Betäubungsmittelrezept verordnet werden. Die Therapie erfolgt stets unter ärztlicher Aufsicht.
Cannabinoide und Wirkprofil
THC ist das psychoaktive Hauptcannabinoide der Cannabispflanze und bindet vor allem an CB1-Rezeptoren im zentralen Nervensystem sowie an CB2-Rezeptoren im Immunsystem. Es kann unter anderem Einfluss auf die Schmerzwahrnehmung, Muskelspannung und Übelkeit nehmen. CBD hingegen ist nicht psychoaktiv und moduliert das Endocannabinoid-System auf indirekte Weise. Es wird in der Forschung unter anderem hinsichtlich entzündungshemmender, angstlösender und krampflindernder Eigenschaften untersucht.
Das 1:1-Verhältnis von THC und CBD gilt als potenziell vorteilhaft, da CBD einige unerwünschte psychoaktive Effekte von THC abmildern kann. Die klinische Relevanz dieses Zusammenspiels hängt jedoch vom individuellen Krankheitsbild und der Patientenkonstitution ab und wird vom behandelnden Arzt bewertet.
Anwendung und Dosierung
Der Extrakt wird in der Regel oral oder sublingual (unter die Zunge) angewendet. Die genaue Dosierung wird individuell vom verordnenden Arzt festgelegt und im Verlauf der Therapie schrittweise angepasst – ein Vorgehen, das als Titration bezeichnet wird. Eine Selbstmedikation oder eigenmächtige Dosisanpassung ist nicht vorgesehen und kann zu unerwünschten Wirkungen führen.
- Die Anfangsdosis ist in der Regel niedrig und wird langsam gesteigert (Low-and-slow-Prinzip).
- Die Tropfenform ermöglicht eine flexible Dosisanpassung in kleinen Schritten.
- Regelmäßige Kontrolltermine beim verordnenden Arzt sind Teil der Therapie.
- Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten müssen ärztlich abgeklärt werden.
Nehmen Sie keine Dosisanpassungen ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt vor. Eine zu hohe THC-Dosis kann zu Angst, Schwindel, Herzrasen und Verwirrtheit führen. Informieren Sie Ihren Arzt über alle weiteren Medikamente, die Sie einnehmen.
Mögliche ärztliche Anwendungsgebiete
Medizinisches Cannabis kann in Deutschland seit 2017 bei schwerwiegenden Erkrankungen verordnet werden, wenn andere Therapieoptionen nicht ausreichend wirksam waren oder nicht vertragen wurden. Zu den Bereichen, in denen ein balancierter Extrakt wie THC10:CBD10 ärztlich eingesetzt werden kann, gehören unter anderem:
- Chronische Schmerzzustände, einschließlich neuropathischer Schmerzen
- Spastizität bei Erkrankungen wie Multipler Sklerose
- Übelkeit und Erbrechen im Rahmen einer Chemotherapie
- Bestimmte neurologische Erkrankungen
- Appetitlosigkeit bei schwerwiegenden Grunderkrankungen
Die Entscheidung über eine Verordnung obliegt ausschließlich dem behandelnden Arzt, der Nutzen und Risiken individuell abwägt.
Nebenwirkungen und Risiken
Wie alle Arzneimittel kann auch der Cannamedical Cannabisextrakt THC10:CBD10 Nebenwirkungen verursachen. Häufig berichtete unerwünschte Wirkungen umfassen:
- Schwindel und Benommenheit
- Mundtrockenheit
- Müdigkeit und Sedierung
- Kognitive Beeinträchtigungen (z. B. Konzentrationsstörungen)
- Psychische Wirkungen wie Angstzustände oder Stimmungsveränderungen (insbesondere bei höheren THC-Dosen)
- Herzrasen (Tachykardie)
Bei Personen mit psychiatrischen Vorerkrankungen, insbesondere mit einer Neigung zu Psychosen, sowie bei Schwangeren und Stillenden ist die Anwendung kontraindiziert oder bedarf besonderer ärztlicher Abwägung. Auch die Verkehrstüchtigkeit kann beeinträchtigt sein – dies ist mit dem Arzt zu besprechen.
Rechtlicher Status und Verschreibung
Medizinisches Cannabis unterliegt in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz. Der Cannamedical Cannabisextrakt THC10:CBD10 ist verschreibungspflichtig und wird auf einem BtM-Rezept verordnet. Eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich, muss jedoch vorab beantragt und genehmigt werden. Ihr behandelnder Arzt kann Sie zu den Voraussetzungen und dem Antragsverfahren beraten.
Informationen zur Kostenübernahme und Verfügbarkeit des Präparats erhalten Sie von Ihrem Arzt oder Ihrer Krankenkasse. Eine Abgabe erfolgt ausschließlich in Apotheken nach Vorlage des gültigen BtM-Rezepts.