Medizinisches Cannabis

Cannamedical Cannabisextrakt THC20:CBD20 – Ratgeber für Patienten

Cannamedical Cannabisextrakt THC20:CBD20 – Medizinisches Cannabis
💊 Medikamenten-Steckbrief
HandelsnameCannamedical Cannabisextrakt THC20:CBD20
Wirkstoff (INN)Tetrahydrocannabinol (THC) ca. 20 mg/ml, Cannabidiol (CBD) ca. 20 mg/ml (Vollspektrum-Cannabisextrakt)
DarreichungsformCannabisextrakt zur oralen oder sublingualen Anwendung (Lösung)
AnwendungsgebietChronische Schmerzzustände, spastische Beschwerden (z. B. bei Multipler Sklerose), Übelkeit und Erbrechen unter Chemotherapie, therapieresistente Schlafstörungen
KategorieMedizinisches Cannabis

Der Cannamedical Cannabisextrakt THC20:CBD20 ist ein pharmazeutisch hergestelltes Medizinalcannabis-Präparat, das ausschließlich auf ärztliche Verschreibung abgegeben wird. Er enthält Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) in einem etwa gleichen Verhältnis und zählt damit zu den sogenannten balancierten Extrakten. Dieser Ratgeber richtet sich an Patientinnen und Patienten, die von ihrem Arzt oder ihrer Ärztin über dieses Präparat informiert wurden oder sich einen sachlichen Überblick verschaffen möchten.

Was ist der Cannamedical Cannabisextrakt THC20:CBD20?

Bei diesem Produkt handelt es sich um einen standardisierten Vollspektrum-Cannabisextrakt in flüssiger Form. Der Extrakt wird aus kontrolliert angebautem medizinischen Cannabis gewonnen und enthält neben den Hauptcannabino­iden THC und CBD auch weitere pflanzliche Bestandteile wie Terpene und Flavonoide, die im sogenannten Entourage-Effekt zusammenwirken können.

  • THC-Gehalt: ca. 20 mg pro Milliliter
  • CBD-Gehalt: ca. 20 mg pro Milliliter
  • Darreichungsform: Lösung zur oralen oder sublingualen Anwendung
  • Hersteller: Cannamedical Pharma GmbH, Deutschland
ℹ️ Hinweis

Die genaue Zusammensetzung und Konzentration können chargenabhängig geringfügig variieren. Maßgeblich ist stets die Produktinformation, die Ihnen Ihre Apotheke aushändigt.

Cannabinoide und Wirkprofil

THC (Tetrahydrocannabinol) ist das primäre psychoaktive Cannabinoid und wirkt über die körpereigenen Cannabinoidrezeptoren CB1 und CB2 im zentralen und peripheren Nervensystem. CBD (Cannabidiol) gilt als nicht-psychoaktiv und kann nach aktuellem wissenschaftlichen Stand modulierend auf verschiedene Rezeptorsysteme einwirken. Die Kombination beider Cannabinoide in annähernd gleichen Teilen kann dazu beitragen, bestimmte unerwünschte Effekte des THC abzumildern, ohne dessen therapeutisch relevante Eigenschaften vollständig aufzuheben. Die genaue Wirkweise im Einzelfall ist jedoch von vielen individuellen Faktoren abhängig und wird durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt beurteilt.

Anwendung und Dosierung

Der Extrakt wird in der Regel oral (geschluckt) oder sublingual (unter die Zunge getropft) angewendet. Die Dosierung erfolgt ausnahmslos nach ärztlicher Anweisung und wird individuell titriert, das heißt schrittweise von einer niedrigen Anfangsdosis auf die therapeutisch wirksame Menge gesteigert. Dieses Vorgehen minimiert das Risiko unerwünschter Wirkungen.

  • Beginn typischerweise mit einer sehr niedrigen Dosis (z. B. 1–2,5 mg THC äquivalent)
  • Langsame Steigerung unter ärztlicher Kontrolle
  • Einnahme zu festen Tageszeiten, meist abends oder nach Mahlzeiten
  • Keine eigenmächtige Dosisanpassung ohne Rücksprache mit der verschreibenden Ärztin oder dem verschreibenden Arzt
⚠️ Wichtig

Verändern Sie die Dosierung niemals eigenständig. Eine zu rasche Dosissteigerung kann psychische Nebenwirkungen wie Angst oder Unruhe auslösen. Sprechen Sie alle Veränderungen immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Mögliche ärztliche Anwendungsgebiete

Medizinalcannabis-Extrakte wie der Cannamedical THC20:CBD20 werden in Deutschland im Rahmen der ärztlichen Therapiefreiheit bei verschiedenen Erkrankungen erwogen. Typische Anwendungsgebiete, bei denen Ärztinnen und Ärzte einen Cannabisextrakt in Betracht ziehen können, sind:

  • Chronische Schmerzzustände, insbesondere neuropathische Schmerzen
  • Spastiken und Muskelkrämpfe, z. B. im Rahmen der Multiplen Sklerose
  • Übelkeit und Erbrechen unter onkologischer Therapie (Chemotherapie)
  • Schwer behandelbare Schlafstörungen im Kontext chronischer Erkrankungen
  • Bestimmte psychiatrische Begleiterkrankungen (nach sorgfältiger Indikationsstellung)
ℹ️ Hinweis

Die Entscheidung über die Eignung dieses Präparats für Ihre Erkrankung trifft ausschließlich Ihre behandelnde Ärztin oder Ihr behandelnder Arzt. Medizinalcannabis ist kein Mittel der ersten Wahl und wird in der Regel erst nach Ausschöpfung anderer Therapieoptionen eingesetzt.

Nebenwirkungen und Risiken

Wie alle Arzneimittel kann auch der Cannamedical Extrakt THC20:CBD20 Nebenwirkungen hervorrufen. Häufige unerwünschte Wirkungen, die insbesondere zu Beginn der Therapie auftreten können, sind:

  • Schwindel, Benommenheit und Müdigkeit
  • Mundtrockenheit
  • Vorübergehende Gedächtnis- oder Konzentrationsstörungen
  • Veränderungen der Herzfrequenz (Tachykardie)
  • Psychische Reaktionen wie Angst, Unruhe oder in seltenen Fällen paranoide Gedanken

Bei bestehenden psychiatrischen Erkrankungen, insbesondere einer persönlichen oder familiären Vorgeschichte von Psychosen, ist besondere Vorsicht geboten. Das Führen von Fahrzeugen oder das Bedienen von Maschinen kann unter der Therapie eingeschränkt sein; klären Sie dies verbindlich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Rechtlicher Status und Verschreibung in Deutschland

Seit der Änderung des Betäubungsmittelgesetzes im Jahr 2017 können Kassenärztinnen und -ärzte in Deutschland Medizinalcannabis auf einem Betäubungsmittelrezept (BtM-Rezept) verordnen. Seit dem Cannabisgesetz 2024 gelten für bestimmte Patientengruppen vereinfachte Regelungen. Gesetzliche Krankenkassen können die Kosten unter definierten Voraussetzungen übernehmen, wofür in vielen Fällen eine Vorabgenehmigung erforderlich ist. Der Extrakt wird ausschließlich in Apotheken abgegeben, die über eine entsprechende BtM-Erlaubnis verfügen.

❓ Häufig gestellte Fragen

Das Präparat richtet sich an Patientinnen und Patienten, bei denen eine Ärztin oder ein Arzt nach sorgfältiger Diagnose und Therapieanamnese die Indikation für einen balancierten Cannabisextrakt gestellt hat. Typische Einsatzgebiete umfassen chronische Schmerzen, spastische Beschwerden oder therapierefraktäre Schlafstörungen. Eine Selbstmedikation ist nicht möglich, da das Präparat der BtM-Pflicht unterliegt und nur auf Rezept erhältlich ist.
Der Extrakt wird oral oder sublingual angewendet, wobei die genaue Einnahmetechnik und Dosierung von der verschreibenden Ärztin oder dem verschreibenden Arzt festgelegt wird. Bei sublingualer Anwendung wird die Lösung unter die Zunge getropft und verweilt dort kurz, bevor sie geschluckt wird, was zu einer schnelleren Aufnahme führen kann. Die Dosis wird stets individuell titriert und sollte niemals eigenmächtig verändert werden.
Gesetzliche Krankenkassen können die Kosten für Medizinalcannabis übernehmen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, darunter eine schwerwiegende Erkrankung und das vorherige Ausschöpfen anderer Therapiemöglichkeiten. In vielen Fällen ist eine Vorabgenehmigung durch die Kasse erforderlich, die von der Ärztin oder dem Arzt beantragt wird. Lehnt die Kasse die Übernahme ab, kann Widerspruch eingelegt werden; im Einzelfall berät die behandelnde Ärztin oder der Arzt weiter.
Das Führen von Kraftfahrzeugen ist unter einer laufenden Cannabistherapie mit THC-haltigen Präparaten in der Regel nicht ohne weiteres erlaubt, da THC die Reaktionsfähigkeit und Wahrnehmung beeinflussen kann. Klären Sie dies ausdrücklich mit Ihrer verschreibenden Ärztin oder Ihrem Arzt sowie gegebenenfalls mit einem Verkehrsmediziner. Im Straßenverkehr gelten gesetzliche Grenzwerte für THC im Blut, und ein Verstoß kann rechtliche Konsequenzen haben.
Cannabisextrakte können mit verschiedenen Arzneimitteln interagieren, darunter Schlafmittel, Antidepressiva, Blutdruckmittel und bestimmte Immunsuppressiva. THC und CBD werden über das Enzym CYP450 in der Leber abgebaut, was zu gegenseitigen Wechselwirkungen mit anderen dort metabolisierten Medikamenten führen kann. Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt sowie Ihre Apotheke vollständig über alle eingenommenen Präparate, um Wechselwirkungen zu vermeiden.
⚠️ Medizinischer Hinweis

Die Informationen auf dieser Seite ersetzen keinen Arztbesuch und keine professionelle medizinische Beratung. Sprechen Sie vor der Einnahme von Medikamenten immer mit einem Arzt oder Apotheker.

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